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PISA 2025: was die Zahlen zeigen – und was jetzt zählt
Dieser Text ist ein Meinungsbeitrag, keine Schulnote für ein einzelnes Kind. Am 8. September 2026 hat die OECD die PISA-Ergebnisse 2025 veröffentlicht. Die Schweiz bleibt im internationalen Vergleich stark, verliert aber gegenüber 2015 in Lesen und Mathematik – und der Anteil Jugendlicher ohne gesicherte Grundkompetenzen wächst. Dieser Beitrag ordnet ein, wie PISA erhoben wird, wie sich die Zahlen seriös lesen lassen, was das für die Schweizer Berufsbildung bedeutet – und was eine Übungs-App wie Ziffli dazu beitragen kann und was nicht.
Wie PISA erhoben wird
- Teilnehmende Länder und Volkswirtschaften 2025
- 91
- OECD, PISA 2025 Results (Volume I)
- Getestete Jugendliche weltweit
- über 760'000
- OECD, PISA 2025 Results (Volume I)
PISA (Programme for International Student Assessment) testet seit 2000 im Dreijahresrhythmus 15-Jährige – genauer: Jugendliche, die zu Beginn der Erhebung zwischen 15 Jahren und 3 Monaten sowie 16 Jahren und 2 Monaten alt sind. 2025 nahmen laut OECD 91 Länder und Volkswirtschaften teil, weltweit wurden über 760'000 Jugendliche getestet. Jedes Land zieht dafür eine national repräsentative Stichprobe von Schulen und danach von Lernenden, keine Vollerhebung.
Der Test dauert rund zwei Stunden am Computer und läuft in den Kernfächern mehrstufig adaptiv: Wer eine Aufgabengruppe gut löst, erhält schwierigere Folgeaufgaben. Der gesamte Aufgabenpool ist grösser, als eine einzelne Person bearbeiten kann, jede Person beantwortet also nur einen Ausschnitt. Länderwerte werden deshalb mit Item-Response-Theorie und «Plausible Values» statistisch geschätzt, nicht direkt aus Einzelpunkten addiert.
Jeder Zyklus hat eine Hauptdomäne mit mehr Testzeit und Detailauswertung; 2022 war das Mathematik, 2025 die Naturwissenschaften. Lesen und Mathematik laufen trotzdem über Ankeraufgaben mit, was Trendvergleiche über mehrere Zyklen erlaubt. Neu 2025 kam ein digitales Testgebiet dazu, in Schweizer Medien als «modellbasiertes Problemlösen» bezeichnet. Nach dem Kompetenztest folgt ein rund einstündiger Fragebogen zu Familie, Sprache zu Hause und Technologienutzung.
Wie man die Zahlen seriös liest
Ein einzelner Punktwert oder eine Rangposition sagt wenig: PISA-Werte sind statistische Schätzungen, kleine Abstände zwischen zwei Ländern oder zwei Erhebungsjahren sind oft nicht signifikant. Aussagekräftiger sind Trends über mehrere Zyklen und Verteilungen statt Mittelwerte.
Ein Beispiel aus dem aktuellen Bericht: 2025 erreichten in der Schweiz noch 65,4 Prozent der 15-Jährigen gleichzeitig die Mindestkompetenzstufe in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – 2015 waren es 73,3 Prozent, der OECD-Durchschnitt 2025 liegt bei 57,3 Prozent. Dieser Sockel-Anteil ist für Schule und Berufsbildung oft aussagekräftiger als ein paar Punkte Differenz im Mittelwert.
Vorsicht auch bei vermeintlich guten Nachrichten: Auswertungen des Berichts zeigen, dass sich der Abstand zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen bei den Mindestkompetenzen verringert hat – nicht in erster Linie, weil benachteiligte Jugendliche aufgeholt haben, sondern weil der Anteil mit Mindestkompetenzen auch bei privilegierten Jugendlichen zurückging. Wer nur die Differenz meldet, ohne zu prüfen, welche Gruppe sich wie verändert hat, liest die Zahl falsch.
PISA bildet zudem nur die nationale Ebene ab. Für Kanton oder Schulgemeinde bleiben ZAP-Statistik, BFS-Zahlen und kantonale Evaluationen die massgeblicheren Quellen. Und der Elternfragebogen zeigt Zusammenhänge, etwa zwischen Bildschirmzeit und Leseleistung – das sind Korrelationen aus einer Momentaufnahme, kein Ursachennachweis für rückläufige Werte.
Die Schweizer Resultate 2025 im Überblick
- Mathematik
- 499 Punkte
- OECD-Durchschnitt: 463 Punkte
- Naturwissenschaften (Hauptdomäne 2025)
- 501 Punkte
- OECD-Durchschnitt: 482 Punkte, stabil seit 2015
- Lesen
- 470 Punkte
- OECD-Durchschnitt: 461 Punkte, 2015 noch 492 Punkte
- Modellbasiertes Problemlösen (neu 2025)
- 520 Punkte
- OECD-Durchschnitt: 500 Punkte
Die Schweiz liegt 2025 in allen vier gemessenen Bereichen über dem OECD-Durchschnitt und gehört in Mathematik und beim neuen digitalen Problemlösen europaweit zu den zwei bis drei besten Ländern, meist knapp hinter Estland. Gegenüber 2015 sind Lesen und Mathematik jedoch spürbar zurückgegangen, während die Naturwissenschaften stabil blieben – ein Muster, das sich laut OECD in vielen Teilnehmerländern zeigt.
Unter dem Durchschnitt wächst der Anteil ohne gesicherte Grundkompetenzen: Auswertungen des nationalen Berichts beziffern den Anteil ohne Mindestkompetenz im Lesen auf 28,8 Prozent (2015: 19,9 Prozent), in Mathematik auf 23,2 Prozent und in Naturwissenschaften auf 20,7 Prozent. Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen erreichen die Mindestkompetenzen in allen drei Bereichen deutlich seltener als Jugendliche aus privilegierten Familien; auch Erstsprache und Migrationshintergrund hängen mit den Ergebnissen zusammen.
Der Bericht zeigt zudem eine hohe Nutzung digitaler Medien: Laut Fragebogen verbringt fast die Hälfte der Jugendlichen an Schultagen ein bis drei Stunden auf sozialen Netzwerken, rund ein Drittel mehr als drei Stunden. Schweizer Jugendliche setzen zudem statistisch signifikant häufiger KI-Werkzeuge für Schulaufgaben ein als der OECD-Durchschnitt.
Warum das für die Schweizer Berufsbildung besonders zählt
In kaum einem anderen OECD-Land münden so viele Jugendliche nach der obligatorischen Schule direkt in eine betriebliche Lehre statt in eine weiterführende Vollzeitschule. Genau dort trifft der wachsende Anteil ohne gesicherte Grundkompetenzen unmittelbar auf den Arbeitsmarkt, ohne den Puffer zusätzlicher Schuljahre.
Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) hat rund 2'900 Ausbildungsverantwortliche befragt: Jeder fünfte Lehrbetrieb erwägt, die Zahl der Lehrstellen wegen fehlender Grundkompetenzen zu reduzieren, bei Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Vollzeitstellen sinkt die Ausbildungsbereitschaft bei fast einem Drittel. sgv-Direktor Urs Furrer bringt es auf den Punkt: Betriebe investierten viel Zeit und Geld in die Ausbildung, dafür müssten Jugendliche beim Lehrbeginn zuverlässig lesen, schreiben und rechnen können.
Der sgv fordert deshalb mehr Gewicht auf Lesen, Schreiben und Rechnen in der Volksschule, frühzeitiges Erkennen von Lücken und transparentes Bildungsmonitoring – ausdrücklich nicht den Ersatz von Grundfertigkeiten durch digitale Hilfsmittel.
Was das für den Ziffli-Alltag bedeutet
Die PISA-Lücke zeigt sich bei 15-Jährigen, entsteht aber grösstenteils früher: unsichere Kernoperationen, lückenhafter Wortschatz und ungeübtes Leseverständnis in der Primarschule werden Jahre später zum Testresultat. Ziffli setzt dort an, wo Automatisierung beginnt – Klassen 1 bis 6, mit Übungsserien zu Kernoperationen, Wortschatz und Textverständnis nach Lehrplan 21, mit wiederholter statt einmaliger Übung.
Ehrlich bleibt: Ziffli ist keine amtliche Stelle, keine Diagnose und kein Ersatz für Unterricht oder PISA-Test. Eine Übungs-App erreicht zudem in erster Linie Familien, die bereits nach Übungsmöglichkeiten suchen – jenes Muster bezahlter Zusatzförderung, das laut SKBF schon heute sozial ungleich verteilt ist. Wer allein auf Software setzt, um die wachsende Sockel-Lücke zu schliessen, verwechselt ein Zugangsproblem mit einem Werkzeugproblem.
Der Beitrag, den Ziffli leisten kann, bleibt deshalb bescheiden, aber konkret: kurze, planbare, tägliche Übungszeit für Grundfertigkeiten so ruhig und reibungsarm gestalten, dass sie tatsächlich stattfindet. Der grössere Hebel gegen die wachsende Lücke bei den Grundkompetenzen bleibt Schule und Bildungspolitik, nicht eine einzelne App im Kinderzimmer.
Häufige Fragen
Ist die Schweiz in PISA 2025 schlechter geworden?
Je nach Bereich unterschiedlich: In Mathematik und Lesen sind die Werte gegenüber 2015 gesunken, in Naturwissenschaften blieben sie stabil. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz weiterhin klar über dem OECD-Durchschnitt und europaweit meist auf den vorderen Rängen.
Was bedeutet «Mindestkompetenzniveau»?
PISA teilt Ergebnisse in Kompetenzstufen ein. Stufe 2 gilt als Schwelle für grundlegende Alltags- und Ausbildungsfähigkeit. 2025 erreichten in der Schweiz 65,4 Prozent der 15-Jährigen diese Stufe gleichzeitig in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, 2015 waren es 73,3 Prozent.
Zeigt PISA, wie gut die Schule meines Kindes ist?
Nein. PISA arbeitet mit einer national repräsentativen Stichprobe von 15-Jährigen, nicht mit Klassen- oder Schulresultaten. Einzelergebnisse werden Familien nicht mitgeteilt, und Primarschulkinder werden gar nicht getestet.
Was macht Ziffli mit den PISA-2025-Ergebnissen?
Ziffli bietet weiterhin Übungsserien zu Kernfertigkeiten in Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch nach Lehrplan 21 an, mit Wiederholung statt einmaligem Pauken. Das ist ein Beitrag zu Grundfertigkeiten, keine Diagnose, kein Ersatz für Unterricht und keine Antwort auf die sozialen Ursachen der Ungleichheit, die PISA aufzeigt.
Quellen
- Medienmitteilung: OECD publiziert die PISA-Ergebnisse 2025 (EDK)
- OECD publiziert die PISA-Ergebnisse 2025 (Der Bundesrat)
- PISA 2025 Results (Volume I): Student performance in PISA 2025 (OECD)
- PISA 2025: Ergebnisse und nationaler Bericht (SBFI / EDK)
- PISA-Studie (SBFI) (SBFI)
- PISA study: Swiss pupils falling behind in reading and maths (swissinfo.ch)
- Schweizer Schülerinnen und Schüler stark – ausser im Lesen (Bildung Aargau)
- PISA 2025: gute Schweizer Durchschnittswerte, aber wachsende Lücken beim Lesen (Diakonie Schweiz)
- sgv zur PISA-Studie: Grundkompetenzen bleiben für Lehrbetriebe eine Herausforderung (Schweizerischer Gewerbeverband (sgv))
Zuletzt fachlich geprüft: 2026-09-16.