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KI und Gymiprüfung: eine Hilfe beim Üben, keine in der Prüfung

Veröffentlicht am

Schulen und Familien nutzen für die Gymivorbereitung inzwischen auch KI-Plattformen, und Anbieter werben mit KI-Aufsatznoten in Minuten. Wie viele Kinder das tun, ist nicht erhoben, und eine Studie zu KI und der Zürcher Aufnahmeprüfung gibt es bisher nicht. Dieser Beitrag ordnet ein, was die Prüfungsregeln, Zeitungstests und Forschung zu KI-Feedback zeigen, und wie Kinder KI so nutzen, dass sie danach selbst mehr können.

Was es zu KI und Gymiprüfung bisher gibt

Vorbereitungskurs vor der ZAP 2024
rund 9 von 10
regelmässig besucht, meist schulisch; Befragung von 3’601 Angemeldeten (Tomasik, 2026)
Fragen zu KI in der Evaluation
keine
die offizielle Evaluation erhebt KI und digitale Hilfen nicht

Eine Studie zu KI und der Zentralen Aufnahmeprüfung (ZAP) gibt es bisher nicht. Die offizielle Evaluation der neuen Übertrittsverfahren (Tomasik, Universität Zürich, 2026) befragte die Angemeldeten der Prüfungen 2024 ausführlich zur Vorbereitung, aber nicht zu KI oder digitalen Hilfen. Rund neun von zehn hatten regelmässig einen Vorbereitungskurs besucht, meist einen schulischen.

Was es gibt, sind Zeitungstests und Werbung. Zeitungen liessen Chatbots alte Prüfungen lösen. Plattformen bieten an, einen fotografierten, handgeschriebenen Aufsatz in wenigen Minuten zu korrigieren, teils mit Note. Auf den Seiten der Anbieter, die wir geprüft haben, fanden wir keine Angaben dazu, wie oft die KI-Bewertung mit der amtlichen Bewertung übereinstimmt.

Dieser Beitrag ordnet ein, was sich aus Forschung zu KI-Feedback, aus den Prüfungsregeln und aus den Zeitungstests ableiten lässt. Ziffli ist selbst ein Lernangebot mit KI-Teilen. Ziffli ist kein vollständiger ZAP1-Kurs und macht keine Aussagen über Prüfungschancen.

Die Prüfung findet ohne KI statt

Die ZAP fürs Langgymnasium wird auf Papier geschrieben. Handys, Smartwatches und andere digitale Geräte werden abgegeben. Beim Aufsatz ist ein Rechtschreibwörterbuch erlaubt, in Mathematik Geometriewerkzeug. Der Kanton zählt auch auswendig gelernte fremde Texte ohne Quellenangabe zum Plagiat; dann gilt die Prüfung als nicht bestanden.

Damit ist die Gymiprüfung genau die Lage, in der eine bekannte Studie einen Schaden fand. Jugendliche, die beim Üben einen frei nutzbaren Chatbot hatten, lösten die Übungen besser, schnitten in der Prüfung ohne KI aber 17 Prozent schlechter ab als die Vergleichsgruppe (Bastani und Kollegen, PNAS 2025). Eine Version, die nur Hinweise gab, verhinderte das. Für die Vorbereitung heisst das: KI nützt nur, wenn das Kind danach etwas allein kann.

Was Chatbots bei Gymi-Aufgaben richtig und falsch machen

Die Tests in Zeitungen sind keine Studien, aber sie zeigen das Muster. Im Dezember 2022 erreichte ein frühes ChatGPT in der Sprachprüfung desselben Jahres die Note 2,25 (20 Minuten). Anfang 2025 lösten zwei neuere Modelle eine Mathematikprüfung von 2015: das eine mit der Note 4,75, das andere mit 5,75. Beide machten an derselben Altersaufgabe denselben Denkfehler, eines dazu Rechenfehler (watson). 2026 bestimmte ChatGPT in einer Prüfungsaufgabe von 2024 die Wortart von «regelrecht» falsch (NZZ).

Neuere Modelle sind deutlich besser, aber ihre Fehler kommen unangekündigt und klingen sicher. Ein Kind in der 6. Klasse kann sie kaum erkennen. Für Übungsaufgaben aus dem Prüfungsarchiv des Kantons gibt es amtliche Lösungen. Sie bleiben die Referenz, nicht die Antwort eines Chatbots.

Kann eine KI einen Gymi-Aufsatz benoten?

Beste Übereinstimmung KI und Lehrpersonen
0,74
Korrelation, 20 Aufsätze aus Klasse 7–8, 37 Lehrpersonen (TU München, 2025)
Zürcher Rekursfall 2013
1,5 und 4,1
amtliche Aufsatznote und Note eines privaten Gutachtens für denselben Text

Dazu gibt es Forschung, allerdings nicht mit ZAP-Aufsätzen. An der Technischen Universität München bewerteten 37 Lehrpersonen 20 Aufsätze von Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klasse; das beste Sprachmodell stimmte mit ihnen mässig bis gut überein (Korrelation 0,74). Die Modelle bewerteten insgesamt zu gut, trafen Rechtschreibung und Sprache recht ordentlich, Inhalt, Aufbau und Logik der Geschichte aber schwächer (Seßler und Kollegen, 2025). Bei österreichischen Deutsch-Maturaarbeiten stimmte die Gesamtnote offener Modelle nur in rund einem Drittel der Fälle mit der Fachperson überein (Kubesch und Kollegen, 2026, Vorabveröffentlichung).

Auch Menschen bewerten Aufsätze unterschiedlich. In einem Zürcher Rekursfall von 2013 lag die amtliche Aufsatznote bei 1,5, ein privates Gutachten kam auf 4,1. Die Bildungsdirektion hielt fest, dass die Aufsatzbewertung Ermessen enthält. Ein vollständiges Bewertungsraster für den ZAP-Aufsatz ist nicht veröffentlicht; das Prüfungsarchiv enthält themenbezogene Korrekturhinweise. Werbung mit einem «offiziellen Korrekturschema» lässt sich deshalb von aussen nicht prüfen.

KI-Rückmeldungen können trotzdem helfen. In einem Versuch mit 459 Jugendlichen der Sekundarstufe II überarbeiteten diese englische Texte mit KI-Feedback etwas besser und waren motivierter (Meyer und Kollegen, 2024). Für die Gymivorbereitung heisst das: konkrete Hinweise zu Rechtschreibung, Aufbau oder Anschaulichkeit sind nützlich, eine KI-Note ist es nicht. Der Aufsatz zählt ein Viertel der Prüfungsnote.

Wird die Vorbereitung mit KI gerechter?

Private Gymikurse kosten laut Blick für ein Jahr oft 2’000 bis 3’000 Franken. In der Zürcher Lernstandserhebung nutzten 38,6 Prozent der Kinder aus dem privilegiertesten Viertel eine Vorbereitung ausserhalb der Schule, im benachteiligtesten Viertel 8,0 Prozent (Moser und Kollegen, 2011, Jahrgang 2009). Der Regierungsrat will die Gemeinden verpflichten, eine kostenlose Vorbereitung anzubieten; die Vorlage liegt beim Kantonsrat.

KI-Angebote sind deutlich günstiger als Kurse, und laut JAMESfocus 2025 nutzen Jugendliche KI unabhängig vom sozioökonomischen Status ähnlich häufig; bei den 12- bis 13-Jährigen waren es 53 Prozent. Ob KI den Abstand bei der Gymivorbereitung verkleinert, ist aber nicht untersucht. Ein Befund mahnt zur Vorsicht: Jugendliche, die vor dem Übertritt in eine selektive Schule Nachhilfe hatten, scheiterten dort bei gleichen Kompetenzen häufiger als jene ohne Nachhilfe (Zumbuehl, Hof und Wolter, 2025). Vorbereitung, die mehr Prüfungsroutine als Können aufbaut, kann einem Kind später schaden.

So kann KI bei der Vorbereitung helfen

  • Zuerst allein lösen, dann Rückmeldung holen. Das rät auch die ETH-Lernforscherin Martina Rau (NZZ, 2026).
  • Bei Mathematik nach einem Schritt fragen, nicht nach der Lösung. Ergebnisse mit den amtlichen Lösungen im Prüfungsarchiv vergleichen.
  • Beim Aufsatz zwei oder drei konkrete Hinweise verlangen und den Text danach selbst überarbeiten.
  • Keine von KI geschriebenen Musteraufsätze auswendig lernen. Der Kanton zählt auswendig gelernte fremde Texte zum Plagiat, und Gymnasien kritisieren eingeübte Schablonen-Aufsätze.
  • KI-Noten und «Chancen» nicht ernst nehmen. Es gibt keine veröffentlichte Prüfung, wie gut sie zur amtlichen Bewertung passen.
  • Keine Namen, Fotos des Kindes oder Schulunterlagen mit Personendaten in einen Chat laden.
  • Ruhig bleiben: Die Vornote aus der 6. Klasse zählt die Hälfte der Gesamtnote. Gute Grundlagen im Unterricht tragen mehr als das letzte Übungsblatt.

Was Ziffli dabei tut und was nicht

Ziffli übt Grundlagen der Primarschule in kurzen Runden, die enden. Für Kinder der 5. und 6. Klasse zeigt der Elternbereich, welche geübten Kompetenzen zu den Bereichen der ZAP1-Anforderungen passen, ohne Gesamtwert, Prüfungsprognose oder Zeitdruck. Ziffli ist kein vollständiger ZAP1-Kurs.

Die optionale KI-Hilfe soll nichts über Gymnasiumreife oder ZAP1-Chancen sagen. Antworten mit Wörtern wie «gymnasiumreif» oder «ZAP1» ersetzt Ziffli durch eine ruhige Standardantwort. Aufsätze bewertet bei Ziffli kein Modell. Schreibaufgaben bleiben bei den Eltern.

Häufige Fragen

Darf mein Kind an der Gymiprüfung KI benutzen?

Nein. Die Prüfung wird auf Papier geschrieben, digitale Geräte werden abgegeben. Erlaubt sind nur die vom Kanton genannten Hilfsmittel, etwa ein Rechtschreibwörterbuch beim Aufsatz.

Kann eine KI vorhersagen, ob mein Kind die Prüfung besteht?

Nein. Es gibt keine veröffentlichte Prüfung, wie gut KI-Bewertungen zur amtlichen Bewertung passen, und die Aufsatzbewertung enthält Ermessen. Ziffli macht keine solchen Vorhersagen.

Ist eine KI-Aufsatzkorrektur so gut wie eine Lehrperson?

Nicht als Note. Studien mit deutschsprachigen Schülertexten zeigen eine teilweise Übereinstimmung und eine Neigung zu guten Noten, vor allem bei Inhalt und Aufbau. Als Quelle für konkrete Überarbeitungshinweise kann sie nützlich sein.

Darf mein Kind Musteraufsätze von ChatGPT auswendig lernen?

Davon raten wir ab. Der Kanton zählt auswendig gelernte fremde Texte ohne Quellenangabe zum Plagiat, und eingeübte Schablonen helfen beim eigenen Schreiben wenig.

Quellen

Zuletzt fachlich geprüft: 13. Oktober 2026.